Aussagekraft
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Die Aussagekraft eines PCR-Tests, einfach erläutert …

Die Aussagekraft von PCR-Tests, einfach erläutert. Zum Nachdenken.

Basierend auf Informationen vom 04.10.2020:

Der ct-Wert

Ct-Wert1) (Zyklusschwelle) bezeichnet die erforderliche Menge an Kopien einer RNA (Erbmaterial, in diesem Fall von Viren, die verdoppelt werden müssen, um sichtbar gemacht zu werden; Anzahl der wiederholten Kopien = Polymerisierungszyklen), ehe mittels eines fluoreszierenden Farbstoffs die vorhandene Menge der RNA bestimmt werden kann. Sind die RNA-Mengen zu gering, kann der fluoreszierende Farbstoff nicht auf sie reagieren (können also nicht entdeckt werden).

Brauche ich sehr viele dieser Verdoppelungsschritte, dann ist die vorhandene RNA-Menge äusserst gering. Sobald der fluoriszierende Farbstoff anspricht, spreche ich von einem «positiven» Testergebnis.


In der Praxis finden bei PCR-Analysen 30-402) Wiederholungszyklen statt. In einer Studie empfahl der Virologe Drosten sogar 45 Zyklen.

Die Forschungsgruppe des französischen Professors Didier Raoult5) hat kürzlich gezeigt, dass

  • bei einem Schwellenwert (ct; Anzahl der erforderlichen Kopien) von 25 ca. 70% der Proben in der Zellkultur positiv blieben,
  • bei einem ct von 30 20% positiv blieben
  • und bei einem ct von 35 nur mehr 3% der Proben positiv blieben.

Das bedeutet, dass bei einem «positiven» Testergebnis mit einem ct von 35 und höher die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person infektiös ist, weniger als 3% beträgt, oder umgekehrt ausgedrückt, zu 97% nicht infektiös sind und ein falsch positives Testergebnis erhalten.


ACHTUNG: Dies bedeutet NICHT, dass 97% ALLER PCR-Tests ein falsch positives Ergebnis liefern, sondern 97% aller PCR-Test mit einem ct von 35 oder höher. Wer den ct-Wert seines Tests nicht kennt, weiss also nicht, woran er offiziell ist.

Er spürt allerdings selbst, ob er sich gesund, schwach oder stark beeinträchtigt fühlt und besser zuhause bleiben sollte oder eben auch nicht. Das bist wie mit jeder bei jeder Grippe oder Erkrankung das selbe. Die Eigenverantwortung kann einem niemand abnehmen.


Oder anders ausgedrückt:

Virus-Last als massgeblicher Faktor

Nicht das Virus an meinem Körper ist das Mass für die Wahrscheinlichkeit einer potentiellen Infektion, sondern die Virus-Last (Menge der Viren).

Je mehr Viren ein Mensch in sich trägt (die sogenannte «Virus-Last»), desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass er infektiös ist (sein Körper sich also bereits aktiv damit auseinandersetzt), und er für andere ansteckend sein KANN – was noch nicht bedeutet, dass er andere damit tatsächlich ansteckt, denn das Immunsystem des Gegenübers muss dafür auch offen sein, sich anstecken zu lassen. Diese Viruslast würde sich also in einem niedrigen ct-Wert wiederspeigeln, da nur wenige Kopien erforderlich sind, damit der fluoriszierende Farbstoff anspricht.

Oder umgekehrt: Je weniger Viren ein Mensch in sich trägt, desto weniger besteht die Wahrscheinlichkeit, dass sein Immunsystem es für nötig hält, einzugreifen, womit er für andere dann nicht potentiell ansteckend ist, was sich in einem hohen ct-Wert zeigen würde, da vielen Kopien erforderlich sind, eher der der fluoriszierende Farbstoff anspricht.

>>> Nur, weil sich in einem Raum etliche oder viele potentiell ansteckende Personen befinden, heisst das noch lange nicht, dass ich mich TATSÄCHLICH anstecke. Dieser Umstand wird häufig vergessen. Und GENAU DAS ist der Grund, weshalb ein starkes, funktionsfähiges Immunsystem das Wichtigste bei jeder Epidemie und Pandemie ist.

Ein Mensch mit einem positiven Test aufgrund eines hohen ct-Werts trägt also nur mehr Spuren von Fragmenten eines Virus in sich, das praktisch jede zirkulierende Kraft verloren hat.3)

RESUMÉE

  • Ein PCR-Test kann also nur aussagekräftig sein, wenn dem Testergebnis der ct-Wert beiliegt, um zu sehen, ob es sich ein «echtes»- oder «falsch»-positives Testergebnis handelt.
  • Allerdings ist der ct-Wert z.B. vom Ort der Probenentnahme, der Transportzeit und dem verwendeten Testsystem beeinflusst, so dass er nur ein Hinweis sein kann und für sich alleine gesehen nicht aussagekräftig ist. 4)
  • Drittens aber bedeuten mit PCR-Test gefundene Viren-RNA AN einem Körper (ein Testabstrich findet AN der Oberfläche von Zellen, nicht IN den Zellen statt) noch nicht zwangsläufig, dass sich diese auch IN den Zellen befinden. Nur dann hat tatsächlich eine Infektion stattgefunden. Ein positiver Test mit eher niedrigem Ct-Wert (=eher hoher Viruslast) bedeutet auch hier lediglich eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine Infektion.

1) Siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Ct-Wert

2) https://www.labor-gaertner.de/labor/abteilungen/molekularbiologie/informationen-zu-molekularbiologischen-methoden/polymerase/den

Siehe auch 3) https://www.medinside.ch/de/post/rt-pcr-tests-quo-vadis

Siehe auch 4) https://www.apotheken-umschau.de/Coronavirus/Corona-Nachweis-Die-Testverfahren-im-Ueberblick-558071.html

5) Didier Raoult – französischer Arzt und Mikrobiologe, auf Infektionskrankheiten spezialisiert. Im Jahr 1984 gründete Raoult die Rickettsien-Abteilung der Universität Aix-Marseille (AMU). Außerdem lehrt er Infektionskrankheiten an der medizinischen Fakultät der Universität Aix-Marseille. Ab 2008 Direktor der Forschungseinheit für Infektions- und Tropenkrankheiten (Unité de Recherche sur les Maladies Infectieuses et Tropicales Emergentes). 2015 erhielt der den Grand Prix scientifique de la Fondation Louis D.

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